FOCUS-Online-Kolumne: Interview mit der Band Glasperlenspiel

Dieses Interview erschien ursprünglich am 15.09.2018 in einer gekürzten Fassung in der FOCUS-Online-Kolumne von Michael T. Wurster

Interview mit der Band Glasperlenspiel

Hinter den Kulissen eines geilen Lebens

(Bild: Universal Music GmbH)

 

Daniel Grunenberg und Carolin Niemczyk von der Band Glasperlenspiel gewähren im Interview mit Michael Wurster tiefe Einblicke hinter die Kulissen, sprechen übers Privat- und Berufsleben und über das Konzept ihres Albums „Licht & Schatten“.

 

Führt ihr eigentlich ein geiles Leben?

Daniel Grunenberg: Ja, also ich muss sagen das ist schon ziemlich nah dran! Ganz ehrlich: Wir müssen uns ab und zu wirklich immer noch kneifen, um zu sehen ob das alles wirklich passiert. Das ist schon irgendwie mächtig, wenn man seinen Traum zum Beruf gemacht hat und auch davon leben kann.

Ihr seid nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Paar. Ist das immer so schön, wie man sich das vorstellt oder kann das manchmal auch ziemlich anstrengend sein?

Carolin Niemczyk: Normalerweise kriegen wir diese Frage immer ganz anders gestellt. Normalerweise werden wir gefragt, wie schrecklich es denn ist. Also ich finde es überhaupt nicht schlimm mit meinem Partner zusammen zu arbeiten. Natürlich ist es nicht immer leicht. Wir sind sehr viel zusammen und müssen deshalb auch berufliche Entscheidungen zusammentreffen. Dabei müssen wir gelegentlich das Private auch mal beiseitelassen. Das haben wir aber im Laufe der Jahre ganz gut hinbekommen. Wir haben für uns eine gute Balance zwischen dem Beruflichen und dem Privaten gefunden.

Ich glaube, dass Freiraum dabei sehr wichtig ist: Der Freiraum zu sagen, dass dies meine Entscheidung ist und zu erkennen, dass das seine Entscheidung ist. Anschließend muss man sich dann in der Mitte treffen.

Was für mich natürlich auch schön ist: Ich habe, wenn wir unterwegs sind, immer eine Vertrauensperson an meiner Seite. Und natürlich gibt es auch Diskussionen und es kommt zu Streitereien. Aber immer kurz bevor wir auf die Bühne gehen, versuchen wir alles im Reinen zu haben. Gerade Daniel ist auch jemand, der nicht lange sauer sein kann und das ist eine Eigenschaft, die uns da absolut zu Gute kommt. Es ist auf jeden Fall schön, dass man alles teilen kann.

Grunenberg: Definitiv! Also ich denke jede Beziehung ist am Ende Arbeit. Klar ist man vor ganz andere Herausforderungen gestellt, wenn man viel Zeit miteinander verbringt. Das ist auch nicht immer leicht. Aber wie Caro schon gesagt hat überwiegen doch die positiven Momente.

Wann habt ihr euch zuletzt gestritten – und über was (beruflich oder privat)?

Niemczyk: Also es gibt bei uns immer wieder Streitigkeiten bei der Auswahl des Covers für das neue Album. Wir haben ja vor kurzem unser neues Album „Licht & Schatten“ herausgebracht und da hatten wir auch eine ewig lange Diskussion. Wie soll es aussehen? Welches Artwork? Mit welchem Foto sind wir beide zufrieden? Das ist natürlich schwieriger, wenn beide ein bisschen eitel sind. (lacht.) Und dann auch die Entscheidung, welche Songs am Ende aufs Album kommen, weil jeder so seine Lieblinge hat… Da muss man dann schon manchmal für den anderen zurückstecken.

Grunenberg: Und zuletzt gestritten haben wir wegen etwas Privatem. Vor zwei Tagen sogar: Caro und ich sind sehr unterschiedlich. Caro lässt manchmal auch gerne Sachen in der Wohnung rumstehen. Und auch die Küche muss immer erst am Abend aufgeräumt werden. Ich bin da krass das Gegenteil! Für mich muss immer alles sofort sauber sein.

 

Worauf sollten Paare eure Meinung nach achten, um eine glückliche Beziehung zu führen?

Niemczyk: Es ist natürlich grundsätzlich sehr wichtig gut zuzuhören und auch miteinander reden. Es ist glaub ich ganz oft ein Problem, dass man nicht miteinander spricht. Gute Kommunikation ist aber etwas ganz Wichtiges. Man muss sich mitteilen und sagen, wenn man ein Problem hat oder etwas einen belastet.

Und natürlich auch, dass man dem jeweils anderen Freiraum lässt für seine eigenen Dinge. Man sollte sich auch außerhalb der Beziehung noch als Individuum entfalten können. Das wären meiner Meinung nach die zwei wichtigsten Dinge in einer Beziehung.

Eure musikalische Karriere begann in einem christlichen Umfeld. Welche Rolle spielt der christliche Glaube heute für euch im Alltag?

Grunenberg: Man wird irgendwann älter und hinterfragt natürlich dann auch mehr. Aber ich denke so eine gewisse Werte-Vorstellung ist bei uns auch geblieben. Was aber auch schön ist! Themen wie Freundschaft und Liebe beschäftigen doch jeden. Und am Ende glaubt auch jeder an irgendetwas.

Für uns ist es aber mittlerweile so, dass Institution und Glaube wirklich zwei Paar Schuhe sind. Das heißt ich vertrete nicht alles, was die Institution so macht. Glauben findet im Herzen statt und mittlerweile schreibe ich ja Songs über Themen, die uns selber beschäftigen. Also Dinge, die wir erleben und die uns wichtig sind.

Euer Hit „Geiles Leben“ wurde zum Soundtrack des Sommers 2015. Ist dadurch für euch auch der Erfolgs-Druck gewachsen?

Niemczyk: Von unserer Seite aus eigentlich nicht. Wir haben uns auch beim neuen Studio-Album versucht, davon frei zu machen. Aber natürlich bekommst Du da von Deinem Umfeld (Management, Plattenfirma, …) so Sätze gedrückt wie beispielsweise: „Ach, das wäre doch schön, wenn wir nochmal so einen Hit hätten…“

Grunenberg: Paradoxer Weise werden mit zunehmendem Erfolg auch die Stimmen um dich herum leiser. Man hat natürlich dann so einen Rückenwind, auf dem man aufbauen kann. Das macht gleich viel freier in Deinen Entscheidungen, weil man das dann mit einer gewissen Leichtigkeit macht. Diese Leichtigkeit ist gerade für kreatives Arbeiten extrem wichtig! Nicht immer dieses ganze „Ja und schreibt doch nochmal einen Hit!“ Das würde dann sowieso nicht funktionieren.

Euer neuester Song hat den Titel „Schloss“. Worum geht es da und welche Botschaft möchtet Ihr mit diesem Song rüberbringen?

Niemczyk: Wir haben schon ganz lange probiert einen Song aus zwei Perspektiven zu schreiben. Wir dachten uns Mann und Frau… das wäre doch eine ganz witzige Geschichte. Bei „Schloss“ waren wir jetzt auch endlich so zufrieden, dass wir sagten das ist jetzt eine gute Story, die wir aus zwei Perspektiven erzählen. In dem Song geht es um zwei Menschen, die in verschiedenen Welten leben und sich gerne immer wieder ansprechen würden, es sich aber nicht trauen.

Die Message dahinter ist einfach: Traut euch einfach mal mehr in Eurem Leben! Wenn ich jemanden toll finde und immer wieder sehe – auch wenn ich mir denke der oder die ist sowieso unerreichbar für mich –, warum traue ich mich dann nicht? Komm ich nehme Dich mit in mein Schloss! Ich habe zwar nur vierzig Quadratmeter im Erdgeschoss und Du bist einfach in einer total anderen Sphäre, aber ich stell das jetzt einfach alles einmal bei Seite und traue mich trotzdem!

 

Inwiefern habt ihr beim Schreiben dieser ganzen Songs euer eigenes Leben reflektiert?

Grunenberg: Ja, jeder Song reflektiert so ein Stück weit unser eigenes Leben. Oder auch was wir verarbeiten: Songs schreiben ist auch immer wieder wie ein bisschen Therapie. „Royals & Kings“ ist zum Beispiel einer der für uns wichtigsten Songs auf der neuen Platte. Das ist auch der Grund warum das die erste Single war. Es geht im Grunde genommen darum, dass man eigentlich nicht so viel braucht um glücklich zu sein. Klar man versucht es immer noch höher, noch weiter und schneller zu schaffen. Das geht uns genauso! Und natürlich findet man es geil sich manchmal Sachen zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht. Es ist auch wichtig, sich ab und zu mal etwas zu gönnen, aber man darf sich darüber nicht definieren.

Wenn jeder mal zehn Minuten rational darüber nachdenkt, was einem wirklich wichtig ist im Leben dann sind das meist nicht materielle Dinge, sondern Beziehungen zu Freunden oder die große Liebe. Oder einfach die Familie, die einem Rückhalt gibt.

Welche Bedeutung hat Euer neuestes Album „Licht & Schatten“ für euch persönlich?

Grunenberg: Das ist die beste Platte, die wir je geschrieben haben. Das ist ganz ehrlich gemeint; das neue Album ist eine klare Weiterentwicklung.

Wir sind dieses Mal wirklich sehr konzeptionell an diese Platte herangegangen und haben einfach dieses Spiel mit „YIN & YANG“, „Schwarz & Weiß“ und „Licht & Schatten“ aufgegriffen. Beide Seiten gehören immer zum Leben dazu. Es kann halt nicht immer nur Glück geben. Es kann aber auch nicht immer alles Negativ sein. Wir wüssten auch nicht was das wahre Glück ist, wenn wir nicht davor mal auf die Fresse gefallen wären. Insofern muss sich das in der Waage halten.

Dieses Credo haben wir in die ganze Platte reingepackt. Wir hatten schon lange die Idee, dass wir eine Licht-Seite und eine Schatten-Seite machen. Die Licht-Seite ist so das Pop-Album wie man es schon von uns kennt und die Schatten-Seite ist im Endeffekt genau dasselbe Album, aber mehr auf Club- und Nacht-Atmosphäre… und auch ein bisschen progressiver und urbaner. Damit haben wir gespielt und sind sehr glücklich, dass wir das umsetzen konnten.

Niemczyk: Die Idee zu dem schwarzen Album kam auch dadurch, dass wir die letzten Jahre extrem viel live gespielt haben. Irgendwann haben wir dann angefangen, unsere Songs auch live zu remixen. Das wurde von den Leuten total gefeiert und man merkte, die haben da voll Bock drauf. Deshalb haben wir uns gedacht, dass wir bei diesem Album jetzt einfach alle Songs auch mal remixen.

Carolin Niemczyk war 2018 als Jurorin bei DSDS. Was sie dabei alles erlebt hat, lesen Sie im zweiten Teil dieses Interviews. Außerdem spricht das Duo über ihre Erfahrungen mit Social Media und skurrile Fan-Anfragen.

 

Dieses Interview erschien ursprünglich am 15.09.2018 in einer gekürzten Fassung in der FOCUS-Online-Kolumne von Michael T. Wurster:

https://www.focus.de/kultur/experten/interview-mit-glasperlenspiel-manche-fans-wollen-caros-fuesse-sehen-da-lehnen-wir-dankend-ab_id_9594810.html

 

Mein persönlicher Musik-Tipp

Von Glasperlenspiel ist das Album „Licht & Schatten“ erschienen. (Universal Music GmbH)

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