FOCUS-Online-Kolumne: Interview mit Produzent & Komponist Alex Christensen

 

(Dieses Interview erschien am 19.10. in der FOCUS-Online-Kolumne von Michael T. Wurster)

Interview mit Alex Christensen

“In die Jury von Casting-Shows gehören mehr Comedians”

 

Musikproduzent Alex Christensen schaffte 1991 mit dem Musikprojekt U 96 den Durchbruch. (Bild by Marcel Brell)

 

Er ist einer der Großen der deutschen Musik-Szene: Produzent, Komponist und DJ Alex Christensen.

FOCUS-Online-Experte Michael T. Wurster sprach mit ihm über Casting-Shows und Erfolg im Musik-Geschäft.

 

Du hast ursprünglich eine Ausbildung zum Speditions-kaufmann absolviert. Wie ist Dir der Quereinstieg ins Musik-Business gelungen?

Alex Christensen: Ein Nachbarsjunge war DJ und besessener Schallplatten-Sammler, und durch seine laute dauerhafte Musikberieselung bin ich zur Dance Music gekommen. Dann, als ich 15 Jahre war, hatte ich das erste Mal die Möglichkeit als mobiler DJ aufzulegen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das jedes Wochenende machen wollte. Einen Plan hatte ich nie, um ins Musikbusiness zu kommen. Ich war nur getrieben von meiner Leidenschaft als DJ unterwegs zu sein.

 

Gibt es rückblickend berufliche Fehlentscheidungen, die Du heute bereust?

Davon gibt es im Nachhinein viele, aber entscheidend waren die Richtigen! Mein Verlag hatte mir am Anfang der Karriere von Tim Berling (Avicii) ein Treffen organisiert, aber ich hatte das zeitlich nicht geschafft. Da wären vielleicht ein paar gute Songs zusammengeschrieben worden.

 

Du hast in der Vergangenheit bereits in dem TV-Format Popstars mitgewirkt. Würde es Dich reizen bei einem Format wie „The Voice“ oder „DSDS“ einzusteigen?

Das war eine tolle Zeit mit Brosis im Jahre 2001. Casting hatte Berge versetzt und gefühlt jeden interessiert. Heute erscheinen mir die Formate nur noch als Plattform für die Jury-Mitglieder aber der Gewinner ist am Ende egal. Wenn sich das ändern würde, wäre das vielleicht noch mal interessant, außerdem sollten in der Jury auch Comedians mitmachen, dann wären die Sprüche nicht mehr so stereotyp wie: „Du hast mich echt mitgenommen“ oder „Das war die beste Performance in dieser Staffel“.

 

Welche Ratschläge hast Du für junge Talente, die Musik zu ihrem Beruf machen möchten? Wie sieht die Realität von dem Musik-Business wirklich aus?

Erzwingen kann man es nicht, Dinge müssen sich durch Beharrlichkeit ergeben. Die Entscheidung Musik zum Beruf zu machen sollte nicht kalt entstehen, sondern wenn man schon erste, kleine Erfolge gefeiert hat. Die Chance zu versagen ist hoch, das sollte einem immer bewusst sein. Ein Musikschaffender ist immer nur so gut wie sein letzter Song. Vergangenes ist schnell vergessen!

 

Du hast selbst zwei Mal den Echo gewonnen. Wie beurteilst Du die Ereignisse, die das Ende des Echos eingeläutet haben?

Das dort Fehler passiert sind ist eindeutig aber trotzdem finde ich es sehr schade, dass es jetzt keinen adäquaten Preis mehr gibt, der die Stars und Newcomer für ihre Musik würdigt.

 

Jetzt mal ganz ehrlich: Wie viel Talent braucht ein Musiker um in die Charts zu kommen? Muss man dazu wirklich gut singen können oder kann ein Musik-Profi wie Du auch aus einem talentfreien Sänger einen Chart-Breaker machen?

Die Frage ist doch, was „erfolgreich“ bedeutet? Ein One-Hit-Wonder kann sicherlich jedem passieren, der Musik macht, da gibt es von Schnappi bis zur Big Brother-Melodie viele Beispiele und Möglichkeiten. Langfristig zählt Beharrlichkeit und Fleiß, gepaart mit Talent, dann wird’s!

Was war der beste Ratschlag, den Du bekommen hast?

Habe ein gutes Karma und erfreue Dich am Erfolg anderer, nur so kannst Du positiv Musik machen und Dich inspirieren. Neid ist der größte Feind von Kreativität.

 

 

Dieses Interview erschien zuerst in meiner Experten-Kolumne auf FOCUS-Online:

https://www.focus.de/kultur/experten/interview-mit-alex-christensen-in-die-jury-von-casting-shows-gehoeren-mehr-comedians_id_9784639.html

 

Mein persönlicher Musik-Tipp:

Von Alex Christensen ist neu erschienen: “Alex Christensen & The Berlin Orchestra – Classical 90s Dance 2”

Finales Tracklisting:

1.    Blue – feat. Bars & Melody

2.    Around The World – feat. Melanie C.

3.    Another Night- feat. Anastacia

4.    Because I Love You – feat. Pietro Lombardi

5.    Mr. Vain – feat. Anastacia & Ski

6.    Feels Like in Heaven – feat. Yass

7.    Don‘t Talk Just Kiss – feat. Melanie C.

8.    Sandstorm

9.    Everybody‘s Free – feat. Linda Teodosiu

10.  More and More – feat. Beymarie

11.  Insomnia – feat. Ski

12.  Listen To your Heart – feat. Medina

13.  Something – feat. Asja Ahatovic

14.  Adagio for Strings

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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